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By Gerhard Ochsenfeld

used to be macht einen Alkoholiker? – Die Frage lautet bewusst nicht: was once macht einen Alkoholiker aus?
Denn Alkoholismus ist nicht, was once es auf den ersten Blick zu sein scheint: Ein Leben an der Flasche, ein Leben außer Selbstkontrolle. Alkoholismus ist nicht bloß das einsame Leben an der Flasche. Es ist viel umfassender: ausgeliefert sein, einstecken – schlucken.
Wie geht das vonstatten – zwischen Tragik und Groteske – so ein Scheitern? Nicht erst am Alkohol, sondern schon am Leben?
„Finley“ nennt der Autor diesen Sohn einer deutschen Soldatenwitwe und eines britischen Besatzungssoldaten. Denn der Betreffende wollte anonym bleiben. Finleys Biografie ist kein Bericht über einen, der am Abgrund lebt, darbt, vor sich hin vegetiert. Kein Bericht von einem, wie er vom Alkohol abkommt – oder darin umkommt.
Diese Biografie ist die Geschichte einer Gefangennahme: Eines Weges in die Abhängigkeit hinein. Mit dieser Biografie zeichnet der Autor eine Zermürbung nach: Die Erschaffung einer Abhängigkeit, wo Unabhängigkeit nicht erlangt wurde.
Wie beiläufig bietet der Autor uns auch einen zynischen Blick auf die Gesellschaft.
Die Tragik jenes Lebens bleibt dem Alkoholiker – die Komik bietet uns der Autor. Denn die Lust am Formulieren lässt der Autor sich so wenig nehmen wie seinen Anspruch, den Leser auf seine Weise zu unterhalten. Dennoch, an keiner Stelle bekommt der Leser eine schnöde oder lästerliche Klamotte geboten, sondern der Autor wird dem Ernst seines Themas an jeder Stelle gerecht.
Mit einfühlsamer und schonungsloser Nähe, der ihm eigenen Lust an virtuoser Wortkunst, in häufig schockierend plastischer Weise kriecht der Autor nicht nur Finley unter die Haut, sondern auch manch anderem.
Fast beiläufig wirft der Autor auch Schlaglichter auf ein gutes Stück deutscher Geschichte, verliert sich jedoch nicht in themenfremden Betrachtungen.
Der Autor richtet sich mit seinem Werk nicht nur an Betroffene, denen er eine Fläche zur Selbstreflexion bieten möchte. Sondern er richtet sich auch an Jugendliche und junge Erwachsene, die darin vielleicht den einen oder anderen Weckruf finden mögen, ehe sie selbst einer Zwangsläufigkeit erliegen… Nicht weniger wendet der Autor sich dringlich an Außenstehende. Seien es nun Angehörige oder Freunde, die mit gebotenem Abstand einen Zugang zu einer ihnen nahestehenden individual finden möchten. Seien es Sozialpädagogen, Therapeuten oder Ärzte, die nach Verständnisgrundlagen jenseits der bloßen Theorie suchen.

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